Belege für Antibiotikaresistenzen durch industrielle Massentierhaltung sind eindeutig


Prof. Dr. Klaus Buchner
Europa-Abgeordneter der Ökologisch-Demokratischen Partei ÖDP


Der Zusammenhang zwischen multiresistenten Keimen und Massentierhaltung wird schon lange systematisch klein geredet bzw. alleinig auf die Humanmedizin geschoben, obwohl Antibiotikaresistenzen durch die industrielle Tiermast nachweislich seit Jahren besorgniserregend steigen. Diese Tatsache ist auch einhellig durch wissenschaftliche Untersuchungen zweifelsfrei belegt. Es handelt sich hier nicht um ein „moderates“ überschaubares Problem, sondern um ein ernstes Problem mit jährlichen Steigerungsraten, weswegen absolut dringend Handlungsbedarf besteht.
Beispielhaft hier diverse Zitate aus der Publikation des Robert Koch Institutes vom 2.5.2016 zum Thema Bedeutung von LA-MRSA und ESBL bildenden Enterobacteriaceae bei Masttieren für den Menschen.

Zitate:

„Übertragung von LA-MRSA CC398 auf den Menschen
Kontakt zu industriell gehaltenen landwirtschaftlichen Nutztieren:
Die Übertragung von Staphylokokken erfolgt primär über direkte Kontakte. Da in Ställen mit MRSA-positiven Schweinen auch der Stallstaub massiv kontaminiert ist (Schulz et al., 2012), kann eine Kolonisation beruflich exponierter Menschen ebenfalls über die Inhalation erregerhaltigen Stallstaubes erfolgen. Bei 77-86% der beruflich exponierten Landwirte, die in MRSA-positiven Anlagen tätig sind, liegt eine nasale Besiedlung mit LA-MRSA CC398 vor (Cuny et al., 2009; van Cleef et al., 2010a; Köck et al., 2012).“

„Unmittelbar exponierte Menschen, d.h. mit direktem Tierkontakt, haben ein 138-fach erhöhtes Risiko, eine MRSA-Besiedlung zu erwerben als nicht Exponierte im gleichen Umfeld.“

„MRSA gelangen über Entlüftungsanlagen von Mastbetrieben nach außen und wurden in Windrichtung gemessen in einem Abstand von 350m in der Abluft nachgewiesen und auf dem Boden in einer Entfernung von 500m zum Stall detektiert (Schulz et al., 2012). Friese et al. (2013) haben LA-MRSA CC398 in der Gülle und in Böden, auf denen die Gülle von Geflügelmastanlagen ausgebracht wurde, nachgewiesen.“

„Infektionen beim Menschen … Bei einer Netzwerk-Studie im Süden Brandenburgs, in die 13.855 Patienten inkludiert waren, lag die Nachweishäufigkeit für LA-MRSA CC398 im Rahmen dieses prästationären Eingangsscreenings bei 0,08% (Juretzek et al., 2011). In der Ems-Dollart Region in Nordrhein-Westfalen hingegen, mit einer sehr hohen Dichte an industriellen Schweinemastanlagen, stieg der Anteil von LA-MRSA CC398 unter allen bei Aufnahmescreening erfassten MRSA (bei 1,6% der Patienten) von 14% im Jahr 2008 auf 23% im Jahr 2011 (Köck et al., 2013).“

„Risikoeinschätzung für den Menschen: Nach bisheriger Datenlage (Stand 2016) sind LA-MRSA (CC398) als ein potenzielles Risiko für Infektionen des Menschen, insbesondere mit direkter Exposition zur industriellen Tiermast, einzuschätzen.“
„Bedeutung für die Praxis: LA-MRSA CC398 erweisen sich in Regionen mit einer hohen Dichte an Schweinemastanlagen zunehmend als ein wichtiger Erreger von Infektionen (Köck et al., 2013, Van Alen et al., 2016).“

„Weitere Forschung: Der Schwerpunkt liegt dabei auf der wechselseitigen Übertragung zoonotischer S. aureus-/MRSA-Stämme zwischen Mensch und Tier im Sinne des „One World-One Health“ Ansatzes. Dies betrifft vor allem die Studienergebnisse zur weiten Verbreitung von LA-MRSA CC398 bei industriell gehaltenen Tieren, die zunehmenden Nachweise aus Infektionen in Tierkliniken sowie die Übertragung auf den Menschen und hier die Einschätzung als Infektionserreger. Wichtig sind dabei die Beobachtungen, dass der Anteil von LA-MRSA CC398 an allen MRSA-Infektionen beim Menschen (Wundinfektionen, Pneumonie, Sepsis) in Deutschland allgemein bei ~2% liegt, in Gegenden mit einer hohen Dichte von Tiermastanlagen jedoch auf bis zu 10% anstieg. Das gehäufte Auftreten von MRSA in Tierkliniken und die Häufigkeit der nasalen Kolonisation mit MRSA bei Tierärzten erfordern dort effektivere Präventionsmaßnahmen. Gerade die Daten aus den Tierkliniken unterstreichen die Notwendigkeit des „One-Health“- Ansatzes“.

Gruß Buchner-Team



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