Antibiotika – Massentierhaltung – Tierschutz

Klaus graust’s vor Massentierfleisch und Antibiotika resistenten Keimen

Europa-Abgeordneter Prof. Dr. Klaus Buchner, ÖDP

Industrielle Massentierhaltung
Eine fürchterliche Tierquälerei und Katastrophe für die Menschheit!
Massentierhaltung hat durch seine breite Anwendung von Antibiotika zu einer immer weiter rasch ansteigenden Anzahl von multiresistenten Killerbakterien geführt.
Massentierhaltung ist eine wesentliche Brutstätte der sog. Krankenhauskeime (MRSA – Methicillin resistenter Staphylococcus aureus)!
Zwischen Mensch- und Tier-MRSA Varianten kommt es zu einem vermehrten Austausch. Multiresistente Tierkeime werden in Besorgnis erregendem Ausmaß auf den Menschen übertragen und umgekehrt.
Unsere Antibiotika werden zunehmend wirkungslos!
Wenn diese Wunderwaffe der Medizin keine Wirkung mehr hat, ist das eine Apokalypse.

Antibiotika-Resistenzen
Wenn Antibiotika – eine Wunderwaffe der Medizin – gegen Bakterien wirkungslos werden, spricht man von Antibiotika-Resistenzen. Jedes Jahr sterben weltweit in rasch zunehmendem Ausmaß Menschen an Infektionen, weil Antibiotika (wegen dieser fortschreitenden Resistenzen) nicht mehr wirken. Wenn jetzt nicht schnellstens etwas unternommen wird, können nach einer Studie der Universität Berliner Charité im Jahr 2050 weltweit mehr Menschen an Antibiotika resistenten Keimen sterben als an Krebs!

Wie entstehen Antibiotika-Resistenzen?
Durch wiederholten, breiten und falsch indizierten Einsatz von Antibiotika vor allem bei der Massentierhaltung (jedoch auch in der Humanmedizin) werden resistente Bakterien geradezu gezüchtet. Wenn dann bei einer ernsten Infektion ein Antibiotikum eingesetzt wird, überleben die resistenten Bakterien und vermehren sich, die nichtresistenten Bakterien sterben. Die resistenten Bakterien können ihre genetische Information auch an andere Bakterien weitergeben, mit der Folge, dass diese auch resistent werden. Bei diesen sog. Multiresistenzen wirkt dann kein Antibiotikum mehr und führt zum Tode.

Was hat Massentierfleisch mit sog. Krankenhauskeimen zu tun?
In der Massentierhaltung werden sehr große Mengen Antibiotika zur Bekämpfung von Infektionen vor allem vorbeugend (!) verabreicht.
Diese sehr hohen Dosen von Antibiotika führen zunehmend bei den Tieren zu resistenten Keimen, welche dann auf das Fleisch gelangen. Durch die Gülle gelangen außerdem die resistenten Killerbakterien auf die Felder und damit auf Obst und Gemüse, als auch ins Grundwasser. Auf Menschen, die in der Massentierhaltung tätig sind, werden die Keime ebenfalls übertragen und gelangen über Kontakte wieder zu anderen Menschen. Das heißt, die resistenten Keime aus der Massentierhaltung gelangen so über mehrere Wege zu immer mehr Menschen. Ein MRSA-Träger, d.h. ein Mensch, welcher mit dem Keim besiedelt ist, zeigt in der Regel keine Krankheitssymptome und ist „gesund“. Überträgt er jedoch diesen Keim auf einen kranken, geschwächten, verletzten oder operierten Patienten führt dies (vorwiegend im Krankenhaus oder anderen medizinischen Einrichtungen) immer häufiger zu unbehandelbaren Infektionen mit Multiorganversagen und Todesfolge. Da diese Menschen sich in der Regel im Krankenhaus befinden, spricht man allgemein von „Krankenhauskeimen“.

Skandal in Niedersachsen
Insbesondere in Niedersachsen, wo alle ein bis zwei Kilometer ein Maststall vorhanden ist, zeigt sich der katastrophale Zusammenhang zwischen Massentierzucht und den multiresistenten Keimen in den umliegenden Kliniken.
Ein hochgradiger mafiöser Filz zwischen Agrarlobby und Politik hat dies seit vielen Jahren herbeigeführt. Geschehen tut nach wie vor nichts wesentliches.

MRSA-Durchseuchung bei Tierkontakt extrem erhöht
Wer viel beruflichen Kontakt zu den Tieren hat, ist zigfach höher mit den resistenten Keimen befallen. Selbst bei nur gelegentlichem Kontakt, z.B. wenn ein Familienmitglied beruflich mit den Tieren arbeitet oder Familien regelmäßig Bauernhöfe besuchen, um Eier zu kaufen, ist die Durchseuchung mit MRSA mehrfach erhöht.

Massentierhaltung funktioniert nur mit hohen Dosen Antibiotika
Es gibt industrielle Geflügelmastanlagen mit hunderttausenden Tieren. Die Tiere, die sich normalerweise in Freiheit viel bewegen, leben in brutaler Enge. Infektionen breiten sich dadurch rasend schnell aus. Ein Hähnchen wird in seinem kurzen Leben von weniger als 40 Tagen insgesamt 10 Tage lang mit Antibiotika vollgepumpt. Die meisten Tiere haben multiresistente Keime. Diese Keime geben ihre Erbinformation auch an andere Bakterienstämme weiter. Die Bakterien geraten dann vom Tier zum Menschen als auch in die Umwelt (Boden, Grundwasser). Dadurch werden die Resistenzen auf ein noch größeres Spektrum von Bakterien verbreitet, wie bei einem Schneeballeffekt, wodurch das Ausmaß sich rasant verschlimmert.

Die Mär von weniger Antibiotika in der Massentierhaltung
Für die Tierzucht werden mehr Antibiotika verwendet als für den Menschen.
Mitteilungen, nach denen der Antibiotikaeinsatz verringert wurde, sind irreführend. Es werden von den Tierärzten zwar geringfügig weniger Tonnen Antibiotika verschrieben, dafür setzen sie nun aber hochwirksame Breitbandantibiotika ein, welche viel potenter sind bei geringerer Menge. Diese sog. Reserveantibiotika nehmen also zu, was für den Menschen katastrophale Auswirkungen hat: Problematik der Resistenzentwicklung zu Killerkeimen in noch erheblich höherem Ausmaß. Sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse machen die Abschaffung der Massentierhaltung dringlicher denn je!
Die WHO warnt vor einer drohenden medizinischem Katastrophe: Postantibiotische Ära: Kleine Infektionen wirken tödlich, da kein Antibiotikum mehr wirkt. Das ist die medizinische Rückkehr ins Mittelalter.

Putenfleisch zu fast 90 % belastet
Putenfleischproben 2015 in Deutschland zeigten bei etwa 9 von 10 Proben eine Belastung mit Antibiotika resistenten Keimen!

Fleischatlas / Schlachtung
2011 weltweit
58 Milliarden Hühner
1, 3 Milliarden Schweine
(Tendenz seit Jahren steigend, da bei Geflügel und Schweinen der internationale Markt weiter rasant wächst, da hier die Massentierhaltung auf engem Raum besonders gut „funktioniert“.)

2012 Deutschland
628 Millionen Hühner
58 Millionen Schweine
33 Millionen Puten
25 Millionen Enten
3 Millionen Rinder
1 Millionen Schafe
½ Millionen Gänse


STOPPT CETA und TTIP

Die brutale Massentierhaltung ist ein Milliardengeschäft: Durch CETA und TTIP kämen weitere Millionen Tonnen billiges Massenfleisch aus industrialisierter Tierhaltung auf den europäischen Markt, welcher an sich bereits übersättigt ist und in seiner jetzigen Form dringend verändert und reduziert werden muss.
Bei den geplanten Freihandelsabkommen zwischen Europa und Canada (CETA) sowie zwischen Europa und USA (TTIP) sind es vorwiegend die international einflussreichen globalen Industrieunternehmen, welche hier rücksichtslos profitieren möchten.
In der Fleischproduktion hat das dann einen noch höheren Einsatz von Antibiotika, Hormonen und Chemikalien zur Folge. Die Internationale Landwirtschafts-, Futtermittel- und Chemieindustrie versucht hier ihre Märkte auf den jeweils niedrigsten Standard der Gegenseite auszudehnen. Dies bedeutet einen fatalen Rückschritt. Dringend notwendige Standardverbesserungen würden in der Zukunft ausgehebelt, weil wegen der sog. Investorenschutzregeln große Konzerne einzelne Staaten verklagen können, „da ihr zu Recht erwarteter Gewinn nicht frustriert werden darf“.

Fleisch-Tsunami durch CETA
120.000 Tonnen jährlich mehr für die EU
CETA wird die EU mit Massenfleisch überfluten:
Mehr als 80.000 Tonnen Schweinefleisch, also das 16 fache, aktuell sind es 5549 t.
Mehr als 50.000 Tonnen Rindfleisch, also mehr als das 10 fache von aktuell 4160 t sollen mit CETA importiert werden.
Auch derzeit ist der Druck auf den EU Markt erheblich, die hinzukommenden Fleischmengen aus dem Kanada-Import werden die Situation dramatisch verschärfen

Futtermittelproduktion zerstört die Umwelt
Auch die Umwelt ist schlachtreif
Ein zusätzlicher Wahnsinn der Massentierhaltung!
Über 40% der Getreide- und Maisernte wird weltweit zur Tiermast verwandt.
75% aller Agrarnutzflächen werden in irgendeiner Weise für die Tierzucht beansprucht.
Angesichts des Welthungers ein Hohn. In Afrika werden 80% der Getreideernte von der Bevölkerung gegessen, ein überwiegender Verbrauch durch Tiere wäre undenkbar.
Negative Auswirkung auf Entwicklungsländer: Internationale Agrarmultis nehmen den Bauern vor Ort Land weg, dadurch verlieren sie ihre Lebensgrundlage für die eigene Ernährung. Folgen sind Vertreibung und Migration.
Artenreiches Agrarland wird umstrukturiert in Mais- oder Sojabohnenmonokulturen, ganz zu schweigen von der zunehmenden Gentechnik.
Die Preise für Nahrungsmittel steigen wegen der Verknappung von Agrarland.
Regenwälder werden zunehmend wegen der Massentierhaltung abgeholzt: Wachsender Verlust der CO2 Speicher und damit Klimawandel.
Die Böden werden verseucht, künstliche Düngemittel, Pestizide.
Wasserverbrauch steigt: Für ein Kilo Rindfleisch werden über 15tausend Liter Wasser beansprucht.
Verschmutzung von Trinkwasser durch Antibiotika resistente Keime und Hormone aus der Massentierhaltung.

Tierschutz- und Arzneimittelrecht
Das von der Lebensmittel- und Agrarwirtschaft durchgeführte sog. Qualitätssicherungssystem QS ist völlig ineffektiv!
Es herrschen nach wie vor unerträgliche Missstände in der Tierhaltung.
Mit den Haltungsbedingungen der Tiere stimmt es hinten und vorne nicht, wenn man Hühner, Puten, Schweine, Kälber, etc.. nicht ohne massivem Antibiotikaeinsatz aufziehen kann.
Das Tierschutz- und Arzneimittelrecht muss dringend geändert werden!

Trotz all dieser längst bekannten Problematik um die Massentierhaltung werden von den verantwortlichen Politikern dringend notwendige Maßnahmen nicht umgesetzt!

Der Europaabgeordnete Prof. Dr. Klaus Buchner fordert:

1. Sofortiges Verbot von Reserve-Antibiotika in der Massentierhaltung.
2. Erheblich höhere Auflagen und Kontrollen zur Reduktion des Antibiotika-Einsatzes
und sonstiger Medikamente bzw. Chemikalien in der Massentierhaltung.
3. Verbot der Vergabe von Medikamenten an gesunde Tiere.
4. Trennung des Arzneimittelverkaufs von der tierärztlichen Behandlung.
5. Schluss mit der Förderung von Großmastanlagen.
6. Ökologische Agrarwirtschaft mit streng zertifizierten Produktionsabläufen.
7. Artgerechte Tierhaltung auf Weiden in angemessener Zahl.
8. Letztendlich Abschaffung der Massentierhaltung.
(Das heißt eine verbindliche Festlegung der Agrarfläche pro Tier)